Passen Autorin und Roman zusammen? Fiktive Autorenbiografien auf dem Buchmarkt

Muss ich mich als Autorin neu erfinden, um auf dem Buchmarkt erfolgreich zu sein?

Ja, lautet die Antwort aus meinen Erfahrungen der jüngsten Zeit. Mit meinen zwei historischen Romanen habe ich es trotz Agenturvertrag bisher nicht geschafft, einen Verlag zu finden.

Liegt es vielleicht an meinen Stoffen, die nicht in die aktuellen Trends und Schubladen der Verlage passen? Dieser Frage gehe ich im nächsten Beitrag noch nach.

Aber es gibt noch einen weiteren Faktor, der mir bei der Vorstellung meiner Manuskripte an literarische Agenturen vor Augen geführt worden ist: Die Figur des Autors/der Autorin muss perfekt zum Roman passen!

Diese erschreckende Erkenntnis habe ich kürzlich gemacht, als ich meiner (Ex-) Agentin (einer großen Mainstream-Agentur) drei meiner neuen Romanprojekt gepitched habe.

Eine Romanidee soll in der DDR der 60er Jahre spielen. Die Antwort der Agentin lautete:

Aus unterschiedlichen Gesprächen mit Lektoren zu DDR-Themen kam immer wieder ein ganz wichtiger Punkt zu Sprache: Man erwartet dafür vom Autor eine hohe „Mitsprache“-Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Oder anders ausgedrückt: Man mag sich von einem West-Autor nicht die DDR erklären lassen. Ich weiß tatsächlich aus dem familiären Umfeld, dass dies nach wie vor  ein sehr heikles Thema zwischen ehemaligen Ostdeutschen und Westdeutschen ist.  Erst neulich fragte ein Verlag bei mir an, ob eine Autorin sich vorstellen könne, eine OST-WEST – Geschichte zu schreiben, und es wurde betont, es müsste eine Autorin mit Ost-Vergangenheit sein (aus vorgenannten Gründen). Daher würde ich zu diesem Projekt nicht raten können.“

Auch eine weitere Roman-Idee (drei Schwestern auf einem pfälzischen Landgestüt um 1814 im Stil von Jane Austen / Regency Romance) wurde von ihr mit dieser Begründung abgeschmettert:

Zu den Pferden: das ist sehr austauschbar, es fehlt das Besondere wie z.B. aus eigener Familiengeschichte inspiriert, weil Sie selbst leidenschaftliche Pferdenärrin sind. Es wirkt zu konstruiert, weil es nicht aus der eigenen Lebenswelt entspringt. Natürlich kann man sich an ein Pferdthema wagen, auch wenn man selbst keine Reiterin ist, aber dann sollte es dennoch etwas Neues / Besonderes sein.“

Wie ihr euch denken könnt, haben mich diese herben Absagen erst mal ziemlich herunter gezogen und meine Schreiblust und meinen Optimismus für einige Tage völlig abgetötet. Plötzlich habe ich bei jeder Idee für einen Roman sofort rote Stopp-Schilder vor mir gesehen und diese Stimme in meinem Kopf gehört: „Darüber darfst du nicht schreiben! Damit kennst du dich nicht aus!“

Solche Schreibverbote sind natürlich für jede Kreativität fatal und ich habe mich nach Kräften bemüht, diese Gedanken wieder aus meinem Kopf zu verbannen.

Trotzdem möchte ich dieser Hypothese von Identität zwischen Autor*in und Stoff näher auf den Grund gehen – zumal sie in der Agentur- und Verlagswelt offenbar gültig ist und gegen anstrebende Schriftsteller*innen verwendet wird.

Muss ich „kennen“ was ich schreibe? Muss ich „sein“ was ich schreibe?

Auf mein eigenes Beispiel bezogen: Muss ich selbst leidenschaftliche Reiterin sein, wenn ich über ein Pferdegestüt schreiben will? Muss ich aus der DDR stammen, wenn ich einen Roman über die DDR schreiben will?

Wenn ich diese Hypothese mal an einem Extrembeispiel versuche: Muss ich als Thriller-Autor*in selbst jemanden ermorden und mich im Zerstückeln von Leichen geübt haben? Das ist natürlich absurd.

Was die Sach- und Fachkenntnis angeht, so bin ich davon überzeugt, dass mir als Autorin hier die Mittel der Recherche zur Verfügung stehen. So habe ich mir z.B. für meinen Antarktis-Roman ein präzises Wissen darüber angeeignet, wie der Walfang in den 1930er Jahren abgelaufen ist und wie die Wale von den Fängern zerlegt wurden. Auch hinsichtlich anderer Berufsbilder, Länder und Sitten, die ich nicht aus eigener Erfahrung kenne, kann ich mir das Wissen durch Recherche und Interviews aneigenen (so habe ich z.B. drei junge Dirigentinnen für meinen Wien-Roman interviewt).

Schwieriger wird es jedoch mit meiner eigenen kulturellen Identität. Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen. Das kann ich nicht ändern oder abstreifen.

Immer wieder wird dieses Thema in der Literaturwelt heiß diskutiert unter dem Begriff der kulturellen Aneignung. Problematisch scheint es zu sein, wenn eine Autorin aus einem „dominanten“ Kulturkreis die Geschichte einer „unterdrückten“ Kultur bzw. einer Minderheit schreibt. Hier wird (oft von eben dieser Minderheit) der Ruf laut, ihre Kultur werde von der anderen vereinnahmt und verfälscht dargestellt. Es besteht der Verdacht des Überstülpens fremder Werte über eine Minderheit im Stile eines literarischer Kolonialismus.

Vor nicht allzu langer Zeit ist um den Roman „American Dirt“ von Jeanine Cummins eine solche Debatte („cultural appropriation“) entbrannt: Darf eine Amerikanerin die Geschichte einer Mexikanerin schreiben?

Im Beitrag vom Deutschlandfunk „Kulturelle Aneignung und die Frage, wer zu hören ist“ vom 21.04.2020 heißt es:

Bei der Debatte um kulturelle Aneignung gehe es um Dominanz, sagt die Literaturkritikerin. „Es geht nicht darum, dass jede Autorin und jeder Autor nur über das schreiben darf, was er erlebt hat oder darum, dass Literatur nur etwas Allgemeingültiges erzählen darf. Es geht in der Debatte darum, welche Stimmen in dem Feld dominant sind. Und das sind immer noch weiße Autorinnen und Autoren. Sie sind diejenigen, die die Publikationsmöglichkeit bekommen.“

Ich kann dieser Argumentation insofern folgen, als dass es sicher wünschenswert wäre, wenn Autor*innen nicht-weißer Herkunft eine gleiche Repräsentanz auf dem Buchmarkt bekommen würden, wie weiße Autor*innen.

Aber ich halte es für fatal, einer Schriftstellerin vorzuschreiben, sie dürfe in ihren Romanen nur in ihrer eigenen kulturellen Herkunftswelt bleiben. Ich denke, dass gerade die Auseinandersetzung mit dem „Fremden“ für jedes Individuum (schreibend oder lesend) eine Erweiterung des eigenen Horizontes ist, Vorurteile abbaut und Toleranz und Verständnis für andersartige Kulturen und Menschen ermöglicht.

Umgekehrt würde ein Rückzug und eine Beschränkung auf den eigenen bekannten Kulturraum eine gedankliche Verarmung bedeuten – es führt zu Engstirnigkeit und Intoleranz.

Was ich allerdings auch feststellen kann, wenn ich mir die populäre Frauenliteratur ansehe: Es gibt ein breites Segment von „exotischen“ Frauenromanen, die alle nach demselben Strickmuster funktionieren: Eine weiße Frau aus Europa (meist Engländerin) kommt in ein „exotisches“ Land (Indien, Orient, Afrika, Australien, Neuseeland) und führt dort irgendeine Plantage (meistens wird Tee angebaut, manchmal auch Schafe gezüchtet). Die weiße Frau lernt die dortigen Bräuche kennen (nicht selten pflegen die „Eingeborenen“ menschenunwürdige Rituale, die aus Sicht der moralisch überlegenen Christen abgeschafft gehören) und findet Erfüllung mit einem heißblütigen „exotischen“ (= erotischen) Mann – der natürlich auch ein Klischee aus einer Frauenphantasie ist.

Fast immer spielen diese Romane auch in der Kolonialzeit, geben also die historischen Begebenheiten insofern korrekt wieder – aber dabei voller Klischees und aus westlicher Sicht. Hierbei wird das koloniale Verständnis in romantisierter und unkritischer Weise fortgeschrieben und für moderne Frauen in den Köpfen neu verankert.

Ich verspüre keinerlei Bedürfnis, selbst einen Roman nach diesem fragwürdigen und überholten Muster zu schreiben.

Aber passt dieses Tabu der kulturellen Aneignung auch auf die deutsch-deutsche Geschichte?

Laut der Agentin: ja. Gehen viele Menschen 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch von einem Über-Unter-Ordnungsverhältnis zwischen West- und Ostdeutschland aus? Offenbar wird auf dem Buchmarkt davon ausgegangen.

Ich finde das erschreckend und weigere mich, das zu akzeptieren. Wenn ich also irgendwann meinen Ost-Berlin-Roman schreibe, dann werde ich dafür genauso gewissenhaft recherchieren, wie für jeden anderen historischen Roman – ob Schauplatz und Figuren sich in Westdeutschland, Ostdeutschland oder sonst wo auf der Welt befinden, macht für mich keinen Unterschied!

Ich bin sogar der Meinung, dass gerade die Distanz zu der Gesellschaft und Kultur den Blick schärfen kann, als Beobachterin sehe und verstehe ich mehr, als wenn ich selbst mitten drinnen bin.

Sehr gute Beispiele hierfür sind der Roman „Was vom Tage übrig blieb“ („The Remains of the Day“) von Kazuo Ishiguro und der Film „Sense and Sensibility“ vom Chinesen Ang Lee – beides Werke, die ich sehr beeindruckend und gelungen finde.

Im Fall von Kazuo Ishiguro hat seine japanische Herkunft sicherlich dazu beigetragen, dass er die britische Gesellschaft mit besonders scharfen Augen und feinem Gespür für deren Eigenheiten wahrgenommen hat. In beiden Fällen gehören Autor und Regisseur nicht (originär) dem englischen Kulturkreis an und haben gerade deswegen ein hoch sensibles Porträt dieser Gesellschaft gezeichnet.

Trotz all meiner Überlegungen: Der Fakt bleibt, dass der Buchmarkt (angefangen bei den Literaturagent*innen) diese ideale Autor*innenfigur verlangt.

Was ist also der Ausweg aus diesem Dilemma, wenn ich über den Tellerrand blicken möchte und mich beim Schreiben nicht auf meine eigene kleine Erfahrungswelt beschränken will?

Ich schreiben nicht das Buch, das zu mir passt, sondern die Autorenbiografie, die zu meinem Roman passt!

So machen es die Verlage scheinbar ohnehin: Anders kann ich mir nicht vorstellen, dass die Vita der Autor*innen immer so haargenau auf den Romaninhalt passt. Da hat jemand genau das passende Hobby oder Beruf, lebt oder bereist ständig den Schauplatz – zu viele Zufälle, um wirklich wahr zu sein.

Manche Verlage gehen sogar soweit, die Figur des Autors komplett zu erfinden. Das fängt schon beim Pseudonym an: Ein klangvoller Name muss her, der Assoziationen weckt, die zum jeweiligen Buchgenre passen.

Aber manche gehen noch weiter. So wie die Lektorin und Verlegerin Daniela Thiele, die für ihren Erfolgsroman „Das Lächeln der Frauen“ den Autor Nicolas Barreau in einem genialen Marketing-Schachzug erfand. Eine Biografie (junger Franzose) passt zum Setting von Paris, dazu noch ein attraktives Bild aus einer Datenbank: Fertig gebacken ist ein Autor, der Frauenherzen höher schlagen lässt.

Ich weiß noch, dass mir dieser Roman gut gefallen hat und ich gedacht habe: Erstaunlich, dass so ein junger Mann solch ein Frauenversteher ist. Mir kam die Sache damals schon nicht ganz koscher vor, ich hatte den Verdacht, dass ein Deutscher sich als Franzose ausgibt, weil im Roman die totale Touristen-Sicht auf Paris serviert wurde. Dass aber in Wahrheit eine Frau dahinter steckt, hätte ich mir damals nicht träumen lassen.

Das Täuschungsmanöver blieb nicht unentdeckt, was aber dem Erfolg von „Nicolas Barreau“ keinen Abbruch getan hat – seine Romane verkaufen sich nach wie vor bestens.

Was lerne ich also aus alledem: Ich werde auch in Zukunft darüber schreiben, was mich anzieht und fasziniert und wofür ich brenne. Egal, ob meine Herkunft und Biografie zum Stoff und den Figuren passt. Ich muss mich als Autorin einfach gleich mit neu erfinden.

Die Bühne brennt – endlich wieder Oper

Nach monatelanger Darbenszeit ist es am Samstag endlich soweit: Ich gehe in die Oper!

Aber ganz so wie früher ist es noch nicht, denn es gilt, einige Vorkehrungen zu treffen. So wandere ich gegen Mittag in sengender Hitze  zum Tierpark und lass mir in einer miefigen Turnhalle in der Nase herumstochern und halte 20 Minuten später ein Stück Papier mit dem Zauberwort: „NEGATIV“ in der Hand.

Am frühen Abend also ziehe ich einen Rock an, der bestens zu meiner Knallbonbon-Feierstimmung passt und mache mich auf den Weg. Die Staatsoper unter den Linden begrüßt mich sanft rosé. Beim Einlass jedoch überkommt mich das typische Flughafen-Unwohlgefühl bei der Kontrolle – ich weiß, ich habe alle Papiere und nichts zu verbergen, aber irgendwie fürchte ich trotzdem, ich würde der Kontrolle nicht standhalten. Der Scanner tut sich auch schwer mit meinem Ticket, aber nach fünf Versuchen und Hellerschalten meines Displays darf ich dann doch in die heiligen Hallen eintreten.

Nun sitze ich auf einem dicken Polster im lückenhaft (gemäß Vorschrift) besetzten Auditorium und die Vorfreude steigt.

Ich sehe „La Fanciulla del West“ von Puccini (1910). Der Büffel auf der Bühne soll das Publikum offenbar schon auf den Wilden Westen einstimmen. Das Orchester spielt sich ein und ich entdecke schon Antonio Pappano am Pult – er ist einer meiner Lieblingsdirigenten, den ich schon öfters im Royal Opera House in London erlebt habe, wo er der musikalische Direktor ist.

Ich lasse meinen Blick über die Ränge gleiten und sehe mich gleich mit einer Gewissensfrage konfrontiert: Fast alle Besucher haben ihre Masken abgelegt, sobald sie auf ihrem Platz sitzen. In der E-Mail des Hauses mit Corona-Hinweisen stand doch, man müsse seine Maske auch während der Vorstellung tragen. Aber schließlich ist jeder hier im Saal negativ getestet, wir sitzen alle auf Abstand, die hochleistungsfähige Belüftung ist im Einsatz, die Inzidenzwerte ganz weit unten – in einem Akt bedächtiger Sorglosigkeit streife ich also auch meine Maske ab und hänge sie über den Ellbogen wie es inzwischen zur selbstverständlichen Mode geworden ist.

Das Saallicht geht aus und die bombastischen Klänge von Puccini erfüllen den Raum. Wie wunderbar diese Musik klingt, wie plastisch der Klang im Raum, ich kann  jede Instrumentengruppe einzeln hören – damit kann kein Livestream und keine Opern-DVD mithalten – auf die ich in den letzten Monaten so oft zurückgreifen musste.

Der kräftige Männerchor lässt das raue Leben der Goldgräber in Kalifornien  lebendig werden und schließlich erscheint unter bebendem Blechbläsereinsatz  das „goldene Mädchen“ Minni auf dem Dach ihrer Schenke. Die Sopranistin Anja Kampe hat eine klangschöne und volle Stimme und verkörpert das herzliche Mädchen sympathisch und glaubhaft. Der Tenor Marcelo Álvares überzeugt mich leider nicht mit seiner „tenorigen“ Darstellung: Seine schauspielerischen Mittel sind sehr begrenzt, er schreitet treuherzig umher und konzentriert sich auf seine Glanztöne, für die er immer in die Knie geht, um sie dann mit ganzem Körpereinsatz in die Höhe zu stemmen – ich sehe einen Tenor bei der Arbeit und keinen charmanten Ganoven Dick Johnson. Immerhin kommen dann im zweiten und dritten Akt die kurzen Arien, auf die ich die ganze Zeit warte („Ch’ella mi creda“ – hier in meiner Lieblingsinterpretation von Jonas Kaufmann).

Leider kann diese Oper musikalisch und von der Dramatik nicht mithalten mit den drei besten Opern von Puccini (La Bohème, Tosca, Madama Butterfly). Aber ich will nicht meckern, sondern freue mich an dem unvergleichlichen Live-Erlebnis.

Auf der Bühne wird im Finale alles abgefeuert, was das Theaterarsenal zu bieten hat: Gewehrsalven, Rauch und sogar zwei Männer in Flammen taumeln über die Bühne – wenn es jetzt noch eine Klopperei geben würde und jemand eine Flasche über den Schädel zerschlagen bekäme, wäre ich wirklich bei den Karl-May-Festspielen angekommen. Die vordergründige Inszenierung stammt übrigens von Lydia Steier.

Das Publikum applaudiert anhaltend voller Dankbarkeit. Ich gehe beschwingt von dem Musikgenuss über die Museumsinsel zur S-Bahn – hier sind Wiesen und Biergärten in dieser warmen Sommernacht voller Menschen, die einem Massenerlebnis anderer Art frönen. So wie diese Leute über ein Tor jubeln, so jubiliere ich, endlich wieder diese Magie im Opernhaus spüren zu dürfen.

Und wie das bei Süchtigen so ist, brauche ich natürlich sofort den nächsten Trip. Am Montag durchlaufe ich erneut das obligatorische Testprogramm und finde mich wieder in meinem zweiten Wohnzimmer ein.

Dieses Mal höre ich Kompositionen von Peter I. Tschaikowsky: Zuerst das KLAVIERKONZERT NR. 2  G-DUR OP. 44 – hier gefallen mir die Soli vom Cello am besten, das Piano ist nicht mein Lieblingsinstrument – und nach der Pause eine sehr lebhafte ORCHESTERSUITE NR. 3 G-DUR OP. 55. Antonio Pappano dirigiert wieder mit viele Esprit und Leidenschaft und ich lasse mich von der wunderbaren Musik in Phantasiewelten tragen.

Zum Abschied bekomme ich eine Goldmünze und einen Aufkleber von meinem Gastgeber überreicht.

Da fühle ich mich doch gleich eingeladen, am Samstag wiederzukommen – zum konzertanten „Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Ich nehme alles mit, was ich vor der Sommerpause kriegen kann.

Von Milchmomenten und einer sanften Wunderwaffe

Ich habe mal meine Wörterschatztruhe ausgeleert und vor mir ausgebreitet und schon haben sich Imaginationsfäden zu Gedichtcollagen verwoben.

Hier mein Wörterfundus – den ich aus Zeitschriften aus Drogeriemarkt und Bioladen ausgeschnitten habe – es sind Wörter und Halbsätze, die mich irgendwie angesprochen haben.

Daraus ist dieses Gedicht entstanden.

Collage 1 (im Original): Ungezähmte Seele

Nach dem Fotostudio:

Collage 2 (im Original): Wenn wir mutig wären

Nach einer Farbkur:

Welche Gedanken ruft dieser Wörterreigen in euch hervor?

Ein Kuss mit Folgen – Judas in der Gruppentherapie

Ein Zimmer in einer Therapieklinik, fünf Stühle stehen im Kreis, darauf sitzen DR. THERAPY, JUDAS, BRUTUS, BATMAN und MEGHAN.

DR. THERAPY: Heute möchten wir ein neues Mitglied in unserer Gruppe willkommen heißen. Möchtest du dich uns vorstellen?

JUDAS (erhebt sich von seinem Stuhl und schaut in die Runde):

Mein Name ist Judas – und ich bin ein Verräter.

STIMMENGEMURMEL: Hallo Judas.

BRUTUS: Moment mal, mein Freund. Die Trademark „Verräter“ habe ich mir schon 75 Jahre vor dir eintragen lassen.

DR. THERAPY: Macht dich das gerade wütend, Brutus?

BRUTUS (hebt seine Hände in einer versöhnlichen Geste, dabei klingeln viele Goldarmbänder um seine Handgelenke): Sorry, nichts für ungut. Also ich bin Brutus und ich bin der berühmteste Verräter der Welt. Der Urvater des Verrats! Fragt nur Dante und Shakespeare. Und guckt mal auf meinem Instagram-Account vorbei: BRUTUS*THE*TRAITOR ™.

DR. THERAPY: Und warum bist du hier, Brutus?

BRUTUS: Weiß nicht. Das Gelabere hier ist Zeitverschwendung.

(Er presst einen Wutball in seiner Faust.)

BATMAN: Ich bin Batman und leide unter dem „Fallen-Hero-Syndrom“. Alle Welt hasst mich. Mein Leben ist sinnlos.

(Er lässt seinen Kopf hängen und guckt trübsinnig auf den Teppich.)

JUDAS: Warum hassen sie dich? Ich dachte, du rettest ständig die Welt.

BATMAN: Das liegt an diesem verdammten Virus. Seit irgendwelche Wissenschaftler behauptet haben, das Virus sei von einer Fledermaus auf den Menschen übergesprungen, hassen die Leute Fledermäuse – also auch mich.

MEGHAN: Ich weiß wovon du sprichst, Batman. Ich bin Meghan und ich werde von der Pressemeute verleumdet und gehetzt. Nur weil ich reich und berühmt bin und meinen Traumprinzen geheiratet habe. Die Leute sind so voller Neid und Missgunst.

(Sie wischt sich eine unsichtbare Träne aus dem Augenwinkel.)

JUDAS: Deine Probleme hätte ich gerne.

MEGHAN: Du hast doch keine Ahnung, wie es ist, in meinen Schuhen zu laufen.

BRUTUS (schaut auf Meghans Schuhe): Jimmy Choo. Kann sich nicht jeder von uns leisten.

MEGHAN: Was willst du damit sagen? Bist du neidisch auf meine Schuhe?

DR. THERAPY: Meghan, wie geht es dir damit, was Judas und Brutus gesagt haben?

MEGHAN: Ihr beiden seid so was von „White Trash“.

DR. THERAPY: Meghan, bitte in Ich-Botschaften sprechen.

MEGHAN (verdreht die Augen): Ich habe den Eindruck, ihr seid so was von „White Trash“.

(Dr. Therapie hebt ermahnend ihren Zeigefinger.)

JUDAS: Können wir mal auf mein Problem zurückkommen? Heute Abend bin ich zu einer Dinner Party mit meinen Kumpels eingeladen. Aber ich weiß jetzt schon, dass sie mir keinen Wein und kein Brot anbieten werden und ich am Katzentisch sitzen muss. Das ist jedes Mal die totale Zurückweisung.

BRUTUS: Ja, das ist Verräter-Diskrimierung. Aber du musst das locker sehen. Du musst deine Identität als Verräter umarmen. So wie ich das mache. Sei stolz auch dich, Bruder! Du bist der zweitberühmteste Verräter der Welt.

(Brutus hebt seine Hand für ein „High-Five“, Judas schlägt nicht ein.)

DR. THERAPY: Judas, wie geht es dir damit?

(Judas runzelt seine Stirn und überlegt.)

MEGHAN: Ihr wisst gar nicht, was Diskriminierung bedeutet. Für euch ist das nur ein Wort, ich erlebe das ständig am eigenen Leib. Hier, diese Nachricht habe ich heute vom neuen „Diversity Czar“ vom Buckingham Palace bekommen: „Eine neue All-colours-welcome-Initiative der Royal Family wird dafür sorgen, dass es bald Pflaster in allen Farbschattierungen im United Kingdom geben wird, damit sich Menschen mit dunklerer Hautfarbe im Drogeriemarkt nicht mehr diskriminiert fühlen, weil es nur helle Pflaster gibt.

BATMAN: Alle hassen mich.

(Er fängt an, ein Mandala auszumalen.)

MEGHAN: Jetzt kommt es – der Czar fragt mich: „Wissen Sie schon, welche Hautfarbe Ihr zweites Kind bekommen wird? Wir möchten eine Pflasterfarbe nach ihm benennen. Den hellsten Farbton haben wir schon nach Archie benannt. Wie Sie sehen, ist der Buckingham Palace jeder Hautfarbe gegenüber aufgeschlossen.“

BRUTUS: Diesem Czar würde ich einen Dolch in die Brust jagen – und der ganzen verlogenen Palast-Bande auch.

DR. THERAPY: Macht dich das gerade wütend, Brutus?

MEGHAN: Brutus, ich finde deine Kommentare total prollig. Du musst mal wieder zum Anger Management.

DR. THERAPY: Bitte Meghan – nur in Ich-Botschaften sprechen.

(Meghan winkt ab und wählt Speeddial 1 für Oprah.)

JUDAS: Ständig lenkt ihr von meinem Problem ab. Ich will nur mal klarstellen: Ich bin kein Verräter! Jesus war mein bester Kumpel. Er hat mich darum gebeten, dass ich ihn an die Römer verrate. Nur so konnte er den Willen seines Vaters ausführen. Was von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes über mich geschrieben wurde, ist alles falsch – sie haben mich zum habgierigen Verräter gemacht. Ihr müsst mal die Apokryphen lesen, dort steht die Wahrheit.

BRUTUS: Halleluja! Jetzt hast du es. Das ist der Stoff für eine gute Image-Kampagne. Ich promote dich über mein Instagram.

BATMAN: Alle hassen mich (murmelt er und malt weiter Mandalas).

MEGHAN: Batman, ich finde es super respektlos, dass du hier malst, während wir unsere Seelen entblößen.

DR. THERAPY: Batman, wie geht es dir damit, was Meghan gesagt hat?

BATMAN: Alle hassen mich. Selbst Meister Proper ist beliebter als ich. Dabei hat der gar keine Superkräfte. Nicht mal ein Auto.

JUDAS: Meister Proper macht eben alles strahlend sauber. Aber du machst die Stimmung düster, Batman.

MEGHAN: Ich glaube, Batman braucht eine andere Medikation, Dr. Therapie.

BRUTUS: Wollen wir ein Selfie für meine Insta-Story „Twin-Traitors“ machen, Judas?

(Brutus zückt sein iPhone und die beiden rücken zusammen. Judas gibt Brutus einen Kuss. Sofort stürmen drei Männer in weißen Kitteln herein und reißen Brutus zu Boden und geben ihm eine Spritze. Als sie ihn hinaustragen, steckt einer der Kittelträger Judas ein Tütchen mit Happy Pills zu.)

DR. THERAPY: Nächste Woche machen wir eine Familienaufstellung. Wer möchte seine Familie dargestellt bekommen?

MEGHAN: Ich (meldet sich und bucht sofort einen Fotografen für diesen Tag).

DR. THERAPY: Wer ist bereit, eine Stellvertreterrollen einzunehmen?

JUDAS: Ich bin Harry.

BRUTUS: Verräter (schreiend vom Gang)!

Schlussakkord für meinen Wien-Roman

Was hat meine Romanheldin Johanna/Jo als Dirigent in Wien in den letzten 64 Tagen nicht alles gekämpft, gelitten, geliebt und gewonnen? Dienstagnacht habe ich ihr letztes Kapitel geschrieben und gestern noch meinen Merkzettel abgearbeitet und punktuell inhaltliche Ergänzungen gemacht. Heute ist Jos Geschichte zu Ende erzählt – mein Herzensprojekt aus der Opernwelt in der ersten Fassung abgeschlossen.

Meine Anspannung will aber partout nicht von mir abfallen. Zur Belohnung für meine täglichen Anstrengungen seit dem 1. November 2020 wollte ich mir am Mittwoch ein Stück Sachertorte gönnen – mein Lieblingskuchen, den auch Jo in Wien gerne verspeist hat – aber in keiner der 4 Bäckereien in Karlshorst war ein solches aufzutreiben. Also musste ich mit Käsekuchen vom Blech Vorlieb nehmen – eine klebrig-süße Enttäuschung. Entweder muss ich mir selbst eine Sachertorte backen oder schnellstmöglich wieder nach Wien reisen (aber erst, wenn in der Oper wieder der Vorhang aufgeht).

Traum
Wirklichkeit

In meinem Roman „Die Dirigentin im Herrenrock“ gibt es natürlich nicht nur Kaffeehausidylle im Dreivierteltakt, sondern im Mittelpunkt steht eine starke Frau, die für ihren Traum kämpft, Dirigentin in dieser Männerwelt der klassischen Musik zu werden, entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen – dabei kommt ihr die Liebe in den Weg und es entwickelt sich ganz große Gefühlsoper.

Das Schicksal meiner Heldin hat im Laufe des Schreibens einen wahren Wellenritt vollführt – immer, wenn sie gerade einen kleinen Höhepunkt erklommen hat, habe ich ihr einen Stock in die Speichen geworfen, sie ist gestürzt und musste sich geschunden wieder aufrappeln und von neuem den Berg hinauf klettern.

Ouvertüre:

Eine begabte junge Frau aus Norddeutschland, so groß wie ein Leuchtturm, zieht an einem grauen Novembertag im Jahr 1925 in die alte Kaiserstadt ein, um als Dirigentin am berühmtesten Opernhaus Europas Fuß zu fassen. Dort wird sie jedoch als Frau rigoros abgewiesen. Entschlossen schnürt sie sich die Brust ein und versucht es am nächsten Tag erneut – als Mann verkleidet – und wird prompt als Dirigent (auf einer Assistentenstellen) engagiert.

Erster Akt:

Ihre Karriere nimmt Fahrt auf und sie begeistert die kritischen Musiker und das Wiener Publikum mit ihrem Können, aber gleichzeitig verliebt sie sich in ihren brasilianischen Dirigenten-Kollegen Martin Breuer, der verheiratet ist. Obwohl alles dagegen spricht, stürzt sie sich in eine leidenschaftliche Liebesnacht mit ihm. Am nächsten Tag lässt sie ihn abblitzten und will ihre weiblichen Neigungen zukünftig besser unterdrücken. Als sie wenige Wochen später erschrocken feststellt, dass sie schwanger ist, fangen ihre Probleme erst richtig an. Sie ist hin und her gerissen, ob sie das Kind bekommen soll. Sie bekommt den gesellschaftlichen Druck zu spüren, als ihre Vermieterin sie zu einer „Engelmacherin“ schickt und in Aussicht stellt, sie hinauszuwerfen, falls sie als ledige Frau ihr Kind zur Welt bringen sollte. Jo entscheidet sich trotzdem für ihr Baby und sucht händeringend nach einem Ausweg, der nur darin bestehen kann, passende Pflegeeltern für ihr Kind zu finden.

In dieser Phase wird sie von der Salonièren Eugenie Schwarzwald, der Schulleiterin einer Mädchen-Schule, eingeladen und lernt in deren Salon einige selbständige Frauen kennen, u.a. Anna Freud, die sich als Psychoanalytikerin mühsam aus dem großen Schatten ihres Vaters zu befreien versucht.

Dritter und Vierter Akt:

Es folgen viele dramatische Szenen, etwa, wenn Jo beim Dirigieren beinahe eine Fehlgeburt erleidet, wenn sie kurz darauf Martin endlich gesteht, dass sie sein Kind erwartet, die Niederkunft und ihr schmerzlicher Abschied von ihrer neugeborenen Tochter.

Fünfter Akt:

Zum Ende ihrer Reise muss Jo sich aus dem Korsett, in das sie sie selbst eingeschnürt hat, wieder befreien – sie muss sich ihre Weiblichkeit und Mutterschaft zurückerobern. Im Finale zieht sie aus, um ihr Kind und den Mann, den sie liebt, zurück zu gewinnen.

Ich muss gestehen, dass ich zu Beginn meiner Schreibreise ein anderes Ende vor Augen hatte – ein realistisches, in dem meiner Heldin vieles versagt bleibt, in der sie sich zwischen Karriere und privatem Glück entscheiden muss. Aber nachdem ich sie über 400 Seiten und fast 4 Handlungsjahre lang habe leiden lassen, habe ich ihr schließlich doch ein fast vollständiges Happy End gegönnt. Ich hoffe, meinen Leser*innen danken mir das.

Wiener Opernstars aus den 1920er Jahren und Zeitkolorit

Die Geschichte von Jo ist natürlich eingebettet in viele historische Details – insbesondere das Aufführungsgeschehen an der Wiener Oper habe ich gründlich recherchiert. Viele meiner Lieblingsopern lasse ich vorkommen und ihre Inhalte spiegeln oft das dramatische Geschehen auf der Erzählebene. Die schillernden Gesangsstars dieser Zeit wie Lotte Lehmann, Maria Jeritza, Jan Kiepura und Richard Tauber haben alle ihren Auftritt, natürlich auch Richard Strauss, der als Komponist und Operndirektor diese Zeit geprägt hat.

Maria Jeritza
Lotte Lehmann und Jan Kiepura

Als beruflicher Gegenspieler fungiert Jos herrischer Kollege Robert Heger, ein historischer Dirigent aus dieser Zeit (der sich später den Nazis zugewendet hat). In Liebesdingen ist die Ehefrau von Martin ihre Antagonistin. Zusätzliche Hürden im Streben meiner Heldin nach Glück und Erfolg stellen die gesellschaftlichen Konventionen und Vorurteile gegenüber Frauen dar.

Meine Erzählung in die 1920er Jahre einzufügen, erschien mir nicht allzu schwer. Aber die Details haben sich hin und wieder als Stolpersteine bemerkbar gemacht: So habe ich im Schreibeifer moderne Dinge wie Kühlschränke und Türklingeln mit Gegensprechanlage eingebaut. Zum Glück habe ich mir dann selbst auf die Finger geklopft und schnell Wikipedia konsultiert. Hinsichtlich der historischen Korrektheit gibt es also einiges zu beachten. Ich hoffe, ich habe keine Klopper mehr drinnen.

Sehr genüsslich habe ich Wienerische Redensarten eingebaut. Dafür werde ich ein kleines Wörterbuch in den Anhang des Romans stellen. Jetzt werde ich mich mal ins Gwand haun und einen Mulatschak zur Fertigstellung meines Werks feiern. Baba.

Meine Schreibnächte

Was meinen Schreibprozess angeht, so bin ich bei meinem vierten Roman wirklich gut in Schwung gekommen und hatte keine Durchhänger, wie im letzten Jahr bei meinem Antarktis-Roman. Ich habe das Gefühl, mich in diesem Stoff richtig freigeschrieben zu haben – was zum einen daran liegt, dass ich für die Opernwelt total brenne und es mir beim Schreiben immense Freude bereitet hat, darin zu schwelgen. Aber auch die Freiheit bei der Figurenentwicklung hat mich beflügelt, denn bei Johanna und Martin habe ich mich nicht durch eine historische Vorlage einengen lassen.

Ich habe einen guten Arbeitsrhythmus gefunden: Eine Abendschicht von 1 ½ bis 2 Stunden im Zeitfenster von 19 bis 22 Uhr und eine Nachtschicht von nochmals 1 ½ bis 2 Stunden in der Zeit zwischen 23 und 2 Uhr nachts. Ich kann am besten arbeiten, wenn es draußen dunkel ist, die Welt in Schlaf versinkt und mich nichts mehr ablenken kann – am Tage muss ich Einkäufe erledigen, will das Tageslicht zum Spazierengehen nutzen usw.

Die späten Morgenstunden sind quasi mein Feierabend, in denen ich mich ausruhe. Ab Nachmittag fängt mein Motor dann so langsam zu laufen an – ich bereite das Geschriebene vom Vorabend gedanklich nach und überlege, wie es in der Nacht weitergehen soll. So komme ich auf ein reines Schreibpensum von 3 bis 4 Stunden pro Tag. Die Erholungsphasen am Tag und zwischen den beiden Schreibeinheiten sind notwendig, damit sich die Inspiration und Schaffenskraft wieder aufladen kann.

Da ich irgendwie ein Statistik-Typ bin, trage ich meine Uhrzeiten und den Worcount täglich in eine Tabelle ein.

 

Hier mein Roman-Werk in Zahlen:

114.200 Wörter

484 Normseiten

64 Schreibtage (vom 1. November 2020 bis 13. Januar 2021, mit einer Woche Weihnachtsferien)

1.800 Wörter pro Tag im Durchschnitt

3.006 Rekord-Wörteranzahl an einem Tag

Wie geht es nun weiter? Heute ist Ruhetag. Ab Freitag beginne ich mit dem Korrekturlesen des Manuskripts. Wenn ich damit durch bin (Ende Januar) entlasse ich mein Werk mit viel Spannung an meine Testleserinnen (zwei habe ich schon, wer sonst noch gerne möchte, bitte bei mir melden) und freue mich auf deren Feedback. Aufbauend darauf geht es dann in die nächste Überarbeitungsrunde. Im Frühling schwimme ich also glücklich weiter auf der Opern-Welle.

Hennis Blog-Adventkalender 2020 – Türchen 18

Ich folge erneut der Einladung von Sabine und trage meinen Teil zur Adventskalendergeschichte bei. In den letzten 17 Tagen hat sich die Adventsgeschichte um Henni überraschend und gefühlvoll entwickelt. Was bisher geschah, könnt ihr in diesem pdf nachlesen.

Das vorherige Türchen 17 zum Einstieg:

„Da muss ich dran gehen“, murmelte Henni Richtung Julius, Jana und Ferkelchen.

Henni ging in die Küche hinüber, setzte sich auf den nächstgelegenen, wackeligen Küchenstuhl und hauchte in ihr Handy: „Hallo Lars…“

„Ja, es tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe.“

„Nein, ich habe deinen Geburtstag nicht vergessen.“ Henni schnaubte innerlich, was glaubte dieser eingebildete Tölpel, dass sie sich nach ihrem ersten Date sofort melden würde? Sie war sich noch gar nicht ihrer Gefühle zu ihm sicher. Wieder einen Mann in ihr Leben lassen? Das ging ihr alles zu schnell.

Sie dachte an Uwe. Bei ihm war es anders gewesen, da hatte sie sofort gewusst, dass er der Richtige für sie war. Und der Einzige?

„Was, du möchtest mich zum Adventsessen einladen? Okay, ja.“

„12.30 Uhr passt. Ja, ist gut. – Nein ich bringe nicht wieder Ulla mit.“

Henni legte auf. Ulla war doch ihre Freundin. Sie brauchte sie in so brenzligen Situationen. Aber sie wusste auch, dass Lars mit ihr allein sein wollte.

Sie hatte Angst, dass…

Türchen 18:

Lars sie mit seinem Hundeblick emotional erpressen und sie sich schlecht fühlen würde, „nein“ zu sagen. Jetzt hatte sie schon zum Essen zugesagt, weil ihr so schnell keine Ausrede eingefallen war. Lars erinnerte sie an einen Teddy mit seinem weichen Bauch und den Haaren auf den Fingern. Ein lieber Kerl. Aber er hatte seltsame Angewohnheiten – er wischte die Kuchenkrümel mit dem Zeigefinger vom Teller und leckte ihn dann schmatzend ab und trug Socken mit Comic-Figuren drauf. Wo es doch für Henni völlig klar war, dass außer Ringelsocken nur noch rote Punkte in Betracht kämen. Und dann hatte er ihr zum Abschied auch noch einen Kuss aufs Ohr gedrückt. Nein, das ging gar nicht.

Henni hatte sich in den letzten Jahren gut in ihrem Leben alleine eingerichtet – mit Freundin Ulla und ihren Hühnern. Niemand machte ihr Vorschriften. Sie konnte mit ihrem Regenmantel unter die Dusche gehen und in ihren Gummistiefeln ins Kino.

Das Ferkelchen hoppelte grunzend aus dem Wohnzimmer und zwischen den Beinen ihres Küchenhockers hindurch, so dass dieser bedenklich wackelte, und riss sie aus ihren Gedanken.

„Aber wer sagt denn, dass wir wirklich alleine zum Essen mit Lars gehen müssen?“, murmelte Henni und machte sich auf die Suche nach…

Morgen öffnet Michaela das Türchen 19.

Hennis Blog-Adventkalender 2020 – Türchen 3

Traditionsgemäß schreibe ich wieder bei Sabines Blog-Adventskalender mit.

Ich wünsche euch allen eine geruhsame Adventszeit mit viel Vorfreude – auch auf die Advents-Geschichte, die mit jedem Türchen ein Stück weitergeschrieben wird.

Was bisher geschah steht in kursiv.

Sie hält das Streichholz, mit der sie die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet hat, noch in der Hand. Wie früher bei der Mutprobe mit ihrem älteren Bruder. Wer konnte das Streichholz länger in der Hand halten? Sie beobachteten beide die heiße Flamme, wie sie sich ihren Fingern näherte. Wurde es zu heiß, ließen sie das Streichholz fallen. Ihr Bruder konnte das Streichholz immer eine Sekunde länger halten als sie. Erst Jahre später hatte er ihr verraten, dass er seine Finger vorher mit Vaseline eingeschmiert hatte. Er hatte sie getäuscht und nicht nur dieses eine Mal.
Sie schaut aus dem Fenster. Wird er heute kommen?

Henni hatte das Streichholz wie damals auch immer nicht schnell genug fallen gelassen. Eine erbsengroße Brandblase bildete sich sofort an ihrem Daumen.

„Ich hasse dich. Warum kann ich selbst heute, nach gut einem halben Jahrhundert nicht besser aufpassen?“

Die erste Kerze an ihrem Adventskranz brannte. War es und er das wert?

Sie rannte in die Küche und ließ kaltes Wasser über ihre Finger laufen. Dabei überhörte sie, dass es klopfte.

Er war gekommen. Würde er jetzt aufgeben und wieder gehen?

Hennis Blick fiel auf den Kühlschrank. Mit einem Marienkäfermagneten – denn sie liebte Punkte – hatte sie dort die Postkarte mit dem Leuchtturm festgemacht. Der Leutturm war rot-weiß gestreift und sah aus, als habe er Ringelsocken an. Ihr Bruder hatte ihr die Leuchtturmkarte geschickt.

„Vielleicht komme ich dich an Weihnachten besuchen“, lautete der letzte Satz. Ihr Bruder lebte seit über 20 Jahren am Nordseestrand in einem Haus – mit Strohdach vielleicht. Sie wusste es nicht. Sie hatten sich so viele Jahre nicht gesehen.

„Vielleicht.“

Das Wort schmeckte wie Pampelmuse auf Hennis Zunge.

„Wir müssen uns vorbereiten“, murmelte sie, „ja, das müssen wir.“

Wie es weitergeht, erfahrt ihr morgen bei Anneliese.

 

 

Tag 22 in NaNoWriMo – mein erstes Mal – eine Sexszene schreiben

Am Sonntag ist es soweit – meine Dirigentin Jo und ihr brasilianischer Kollege haben ihren ersten Kuss gelandet und nun geht es ins Bett. Aber wie schreibe ich eine Sexszene. Das ist absolut neu für mich. Ich weiß, dass ich als Leserin solche Szenen eigentlich ganz gerne habe, aber unterschiedlich gut gelungen finde. Bei Stephen King zum Beispiel geht es immer ziemlich deftig zu, in Frauenromanen romantisch bis kitschig, die „Kamera“ hat meistens einen rosa-rot Filter drauf und faded aus, wenn es konkret wird.

Ich suche im Internet nach Artikel „wie schreibe ich eine gute Sexszene“ und stoße zunächst auf die Seite der britischen Zeitung „The Guardian“: Deren Literaturkritiker vergeben jedes Jahr „Britain’s most dreaded literary prize“ – nämlich einen Preis für die schlechteste Sexszene („outstandingly awful sexual scene“) in der Literatur. Unter Schriftstellern ist das Schreiben einer erotischen Szene nämlich nicht ohne Grund gefürchtet, denn das ist die Kür mit Dreifach-Axel auf sehr glattem Eis und man kann böse auf dem Hintern landen. In diesem Artikel sind auch wunderbare Zitate von preiswürdig peinlichen Beschreibungen zu finden – sehr lesenswert.

Damit wächst mein Respekt vor meiner Aufgabe umso mehr. Aber ich will es trotzdem wagen. Zum Glück finde ich noch einen hilfreichen Ratgeber-Artikel. Hier lerne ich, dass es bei einer gut geschriebenen Sexszene auf drei Dinge ankommt: 1. wechselseitiges Agieren, 2. die Balance physischer und psychischer Darstellung und 3. das Vokabular.

In meiner Bettszene beschreibe ich das Geschehen aus der weiblichen Sicht von Jo, aber ich werde nun darauf achten, auch den Mann im Wechsel vorkommen zu lassen. Wie bei einem Tanz: beide Partner vollführen ihre Bewegungen in Reaktion aufeinander, es gibt ein harmonisches Zusammenspiel der Körper. Nicht einer ist der Alleintänzer und der andere die passive Puppe.

Meinen besonderen Fokus werde ich auch auf die emotionale und psychologische Komponente legen und die Liebesnacht in den dramaturgischen Bogen der Handlung einbetten (ins Himmelbett natürlich). Als Leserin soll man nachempfinden können, warum Jo ihre eigenen Regeln bricht (Karriere statt Beziehung), warum sie sich hinreißen lässt, was es für sie bedeutet, ihre Männerverkleidung abzulegen und wieder Frau sein zu dürfen und schließlich warum sie im Nachklang wieder einen Riegel vorschiebt und das Liebespaar nicht ins Happy End einläuft, sondern die Komplikationen und die Gefühlsturbulenzen jetzt erst so richtig losgehen.

Dann stellt sich die Frage des Vokabulars. Es gibt ja eine erstaunliche Bandbreite von Ausdrücken für die weiblichen und männlichen Körperteile, von vulgär, derb über medizinisch, neutral, verniedlichend und metaphorisch. Entscheidend für mich ist, dass ich die Sprache von meiner Protagonistin finde, denn aus ihrer Sicht ist die Szene schließlich beschrieben – also müssen die Vokabeln zu ihrem sonstigen Sprachduktus passen. Ich kann also auf einige musikalische Vergleiche und Metaphern zurückgreifen, aber abgesehen davon hat sie eine nordische Klarheit in ihrer Sprache und nennt die Dinge eher sachlich beim Namen. Also wird es die „Paradiespforte“ in meinem Text nicht geben, auch will hier kein „purpur behelmten Krieger ins gelobte Land“ – wie Bodo Wartke in seinem genialen Lied „Mir fehlen die Worte“ zu diesem Thema vorschlägt.

Ich mache mich also mit Feuereifer ans Schreiben meiner Sexszene – und es macht mir unglaublich viel Spaß. Ich schreibe zwar etwas langsamer als sonst, weil ich öfters über die beste Wortwahl nachdenke – wie zum Beispiel soll sich das Brusthaar von Martin für Jo anfühlen? „flauschig“? Hm. Das klingt nach einem Küken. Ich hole mir Hilfe im Synonym-Wörterbuch und entscheide mich für „wollig“. Insgesamt geht es mir erstaunlich leicht von der Hand.

Nun ist das Werk vollbracht – die Szene dauert ganze 6 Seiten an – und ich bin zufrieden.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie meinen zukünftigen Testleserinnen diese Sexszene gefällt – sicherlich kann man nicht jeden Geschmack treffen. Ihr könnt euch jetzt schon darauf freuen – ab Seite 163 geht es los.

Übrigens liege ich gut im Wordcount, schreibe jeden Abend und jede Nacht meine dreieinhalb Stunden und habe ein kleines Wörterpolster aufgebaut. Ich liege gut in der Zielkurve, nun kommt der lange Endspurt. Bin zuversichtlich.

Halbzeit im NaNoWriMo – Kurzhaarschnitt und Korsett für die Dirigentin

Heute ist Halbzeit und ich habe die magische Marke von 25.000 Wörtern (111 Normseiten) gestern um kurz nach 1 Uhr nachts überschrieben. Ich habe im Schreiben meinen guten Rhythmus gefunden (eine Abendschicht und eine Nachtschicht von je 1 ½ Stunden) und schaffe meinen täglichen Wordcount.

Aber ach, die zweite Woche bringt so manche Sorgen, wie ich die Geschichte entwickeln soll. Die Figuren sind eingeführt, die Szenerie ist aufgebaut – und nun muss der Handlungsbogen nach oben gehen und auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuern. Aber worin genau soll dieser bestehen? Es genügt nicht, dass meine Dirigentin immer wieder mit dem fiesen Kapellmeister Heger zusammenprallt und immer wieder knapp einer Entlarvung entkommt – das wiederholt sich zu sehr. Auch meine vielen Anekdoten und Details zu Angewohnheiten der Sänger, kleinen Bühnen-Pannen, Klatsch und Tratsch, die ich aus meinem tollen Opern-Buch habe, und Schwelgen in der Musik bilden zwar eine gute Würze, sind aber nicht handlungstragend.

Am Mittwoch habe ich ein langes Telefonat mit meiner Literaturagentin (meinen Antarktis-Roman hat sie einem Dutzend Verlage auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, nun heißt es Geduld haben, es liegen noch keine Rückmeldungen vor, auch wenn die Lektoren vor Ort wohl positiv auf ihren Pitch reagiert haben). Sie fragt mich nach meinem neuen Romanprojekt und ich erzähle es ihr. Sie findet zwar das Thema „Frau in einer Männerdomäne“ gut und auch Wien als Sehnsuchtsort, fragt dann aber: „Wo ist der Höhepunkt? Warum und wie scheitert sie?“

Damit hat sie natürlich den Finger in die Wunde gelegt – ich weiß es noch nicht so richtig. Dann äußert sie eine grundsätzliche Skepsis: Aus Erfahrung weiß sie, dass Lektoren beim Thema Musik und Film in Romanen zurückhaltend seien, erst recht klassische Musik wäre nicht massentauglich und hat den Ruf, nur für ein intellektuelles Publikum zu sein. Es könnte also sein, dass ich mein Werk in hunderten Stunden harter Arbeit schreibe und die Verlage es dann nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Ich halte dem entgegen, dass ich für meinen Stoff brenne und diesen Roman auf jeden Fall schreiben werde, auch wenn er vielleicht erst mal (oder für immer) in der Schublade landet. Meine Agentin betont, sie wolle mein Feuer auf keinen Fall löschen und ich solle weiterschreiben.

Am Mittwochabend und Donnerstag bin ich dann doch ziemlich deprimiert, raffe mich trotzdem zum Weiterschreiben auf. Ich hoffe einfach, dass sich doch eine Leserschaft für meinen Roman – auch für die von mir so geliebte Opernwelt – begeistern wird und meine geschriebene Stimme nicht vor leeren Rängen verhallt.

Gleichzeitig überlege ich intensiv, wo das Drama für meine Figur herkommen könnte und wie ihre Heldenreise genau aussehen könnte. Dann kommt mir eine Erleuchtung: „Madame Butterfly!“ Danke Puccini! Eine Liebesgeschichte wollte ich sowieso einflechten (inklusive erotischer Liebesszene – bin sehr gespannt, ob ich das hinbekomme, habe so etwas noch nie zu Papier gebracht), aber nun wird sie auch schwanger werden und dann steht sie vor der Entscheidung: Kind oder Karriere. Mehr verrate ich nicht.

Habe nun jedenfalls die dramatische Entwicklung der Geschichte besser vor Augen und habe wieder Freude am Fantasieren und Schreiben.

 

Schon 7 Tage im NaNoWriMo mit meiner Dirigentin in Wien

Es ist eine dunkle und stürmische Nacht im November – und schon wieder sitze ich Nacht für Nacht vor dem blauen Licht meines Bildschirms bis die Glocken zwölf Mal schlagen – zur Geisterstunde werden meine Schreibgeister erst so richtig munter. Seit 7 Tagen stelle ich mich zum 4. Mal in Folge dem NaNoWriMo – der Challenge, jeden Tag mindestens 1.667 Wörter meines Romans zu schreiben, bis ich am 30. November die Ziellinie von 50.000 Wörter überschreibe – mit dieser Länge darf sich ein Text mit gutem Gewissen Roman nennen. Dass an diesem Rohentwurf noch einiges zu überarbeiten und zu schleifen sein wird, versteht sich. Aber das Textfundament ist damit gelegt.

Mein Romanprojekt in diesem Jahr heißt: „Die Dirigentin im Herrenrock“. Meine Protagonistin kommt am 1. November 1925 nach Wien und will sich an der Oper als Assistentin des Kapellmeisters bewerben – aber alleine der Umstand, dass sie eine Frau ist, verwehrt ihr jede Chance. Also verwandelt sie sich in einen Mann und siehe da – sie darf dirigieren. Aber kann und will sie diese Maskerade aufrecht erhalten?

Von meiner Recherche-Reise nach Wien Anfang Oktober habe ich euch schon erzählt. In der Zwischenzeit habe ich drei junge Dirigentinnen via Skype interviewed – die mir auf Anfrage der Dozent des Masterstudiengangs für Orchesterdirigieren an der Universität der Künste Berlin freundlicherweise vermittelt hat. Von diesen beeindruckenden jungen Frauen habe ich einiges über die individuellen und oft verschlungenen Wege einer Musikerin hin zur Dirigentin erfahren und welche Herausforderungen einer Frau in diesem Beruf begegnen und welche Eigenschaften sie mitbringen sollte, um zu reüssieren. Außerdem habe ich einige Dokumentationen angeschaut, z.B. über den Solti-Dirigentenwettbewerb 2015 in Frankfurt und über die großen Rivalen Furtwängler und Toscanini in den 1920er bis 40er Jahre. Zudem habe ich noch 2 hochinteressante Bücher über die Wiener Oper und Frauen in Salon und Kaffeehaus im Wien der 1920er Jahre entdeckt – die ich noch nicht ganz gelesen habe (hatte in den letzten Oktoberwochen eine faule Phase – aber Relaxen vor dem Schreib-Marathon ist wohl auch wichtig), aus denen ich noch viel Honig für meinen Roman saugen kann.

Als ich letzten Sonntagabend (1. November 2020) vor meinem Computer sitze, fühle ich mich trotz meiner Recherche ziemlich unvorbereitet, habe zwar eine Vision und eine Idee davon, was ich ausdrücken möchte, aber von einem Plot oder Storyboard bin ich weit entfernt. Ich weiß noch nicht einmal, wie meine Heldin Johanna (der Name ist mir zugeflogen, auch eine Homage an die junge Dirigentin Joana Mallwitz, die aktuell die Flagge der neuen Generation von Dirigentinnen hoch hält) mit Nachnamen heißen soll und wie ihre Vorgeschichte ist. Eigentlich gehört es zur Vorarbeit eines Romans, für jede Figur eine Biografie zu entwerfen. Aber ich bin keine große Planerin, sondern lasse mich beim Schreiben treiben und die Figuren und ihre Entwicklung unter meinen Händen während des Tippens entstehen. Mir gefällt diese Arbeitsweise, ich gehe auf Entdeckungsreise in meine Fantasie und überrasche mich selbst, anstatt einen vorgefertigten Plan abzuarbeiten.

Tatsächlich habe ich es Tag für Tag geschafft, meine Figuren zu formen und für ihren Weg in der Geschichte in Stellung zu bringen. In den ersten 3 Kapiteln – die ihr zum Abschluss auszugsweise als Leseprobe findet – bin ich also auf Spurensuche nach meiner Hauptfigur gegangen.

Auch einen wichtigen Gegenspieler habe ich gefunden: den (hist.) Dirgenten Robert Heger, dessen Assistentin Johanna wird. Er ist ein ziemlicher Kotzbrocken (später auch ein Nazi), der von der natürlichen Überlegenheit von Männern gegenüber Frauen überzeugt ist und Johanna bei ihrer ersten Bewerbung abblitzen lässt.

Was meinen Schreibprozess angeht, so bin ich (leider) die totale Aufschieberin – den ganzen Tag über mache ich einen weiten Bogen um meine Schreibdokumente – gehe spazieren, schaue meine Lieblings-Opern-Videos an und esse Lebkuchen dazu. Erst wenn es dunkel ist und es keine Ausreden mehr gibt, setze ich mich gegen 19 Uhr an meinen Schreibtisch und lege meine erste Schreib-Session ein. Meistens schaffe ich in 1 – 1 ½ Stunden ca. 900 Wörter. Dann mache ich eine Pause. Gegen 22 oder 23 Uhr raffe ich mich dann zur zweiten Runde auf und komme meist gut in Schwung, so dass ich die fehlenden 800 Wörter bis zur magischen Zwischenlinie schaffe – gegen 1 Uhr nachts mache ich dann aufgekratzt den Computer aus und gehe noch ein Stündchen in den nebelig-verlassenen Straßen meiner Wohnsiedlung spazieren und sage den Füchsen gute Nacht.

Meine Bilanz der ersten 7 Tage: 12.551 Wörter (57 Normseiten). Meine Statistik sieht also zurzeit gut aus – bin voll im Soll. Ich hoffe, das geht so weiter.

 

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